Gestern Abend war ich zum ersten Mal in einem Dunkelrestaurant. Nein, nicht zum Essen, sondern zum Singen! Unser Chor war eingeladen worden, zwischen Hauptgang und Nachtisch die rund 75 anwesenden Gäste ein wenig zu unterhalten. Wenn man Aufregung und spannungsvolle Erwartung in Strom umwandeln könnte, wäre der dunkel-schwarze Raum hell erleuchtet gewesen. Wir 15 Frauen wurden von zwei freundlichen, blinden Mitarbeitern auf die Bühne geführt, eine Treppe musste überwunden werden, die erste Reihe orientierte sich an einem Seil, das im guten Abstand zur Bühnenkante lag und die zweite Reihe platzierte sich in körperlichen Wohlfühlnähe direkt dahinter. Eine tolle Erfahrung! Du schaust nach vorne, singst nach vorne, aber ist dort wirklich vorne? Du bekommst Feedback durch Applaus und Energie aus dem Publikum, kommt das nur von vorne? Was berührte da eben meinen Fuß? Wir haben leise, gefühlvolle Balladen gesungen und dynamische Uptunes mit Bewegung und Ausdruck. Ich hatte erwartet, dass mir schwindelig wird so ohne jede visuelle Rückmeldung, aber das traf nicht ein. Du spürst deine Füße mehr und auch die Frauen neben Dir. Wie gut, dass wir uns gut kennen, vertrauen, uns berühren dürfen und gegenseitig sehr mögen – dies war ein Genuss wiederum in Gemeinschaft. Und doch viel mehr: Ich habe erfahren, wie genial es sich anfühlt, wenn ich etwas außerhalb meiner Komfortzone mache, wenn ich mich auf unsicheres Terrain begebe, dorthin wo ich noch keine Erfahrungen habe. Wenn es stimmt, dass Wachstum und Erfolg außerhalb der Komfortzone auf Dich warten, dann ist jede von uns gestern Abend ein Stück über sich hinaus gewachsen.
Das strahlende Lächeln, das jede Sängerin hinterher im Gesicht trug! Alle waren wir elektrisiert, energetisiert durch die Erfahrung. Und ja, ich konnte es beim Singen genießen: meine Stimme eins werden lassen mit den anderen, das Ganze spüren, mich als selbstverständlicher Teil eines Ganzen wahrnehmen, mich fallen lassen, genießen, mich anderen anzuvertrauen. Wunderbar!
Im August werde ich selbst bei einem der nächsten Dunkelrestauranttermine an einer anderen Location zu Gast sein und dieses Erlebnis von der anderen Seite kennenlernen.