Genuss! und zwar jetzt und sofort und gleich!

Über Nacht ein Jahr älter werden, hat für mich ja immer was surreales – im Grunde ändert sich nichts, und doch viel. Man überschreitet eine Schwelle zum Noch-Älterwerden, wechselt vielleicht von einer U-Gruppe in eine Ü-Gruppe und ist plötzlich Zielgruppe für Werbung ganz anderer Art. Ich rechne damit, dass die auf mich individualisierte Treppenlift-Anzeige mich bald erreicht….

Mein Vorhaben ist ja nun, dem Genuss mal so richtig auf die Spur zu kommen in dem vom mir liegenden Jahr.

Im Mai fällt mir das per se ja schon mal leichter, denn ein wesentlicher Teil meiner Genuss-Spektrums ist ja das Esse, und im Mai lässt es sich mit Spargel und Erdbeeren ja herrlich schlemmen. Mit dem Schlemmen an sich werde ich mich später noch näher beschäftigen.

Heute mal mehr zu einem ganz anderen Genuss-Aspekt: dem Gefühl akzeptiert zu werden und Teil einer Gemeinschaft zu sein. Darin konnte ich gestern wunderbar baden: Drei Freundinnen kamen zum Frühstück, das sich bis in den frühen Nachmittag streckte. Geschenke, die von Herzen kamen und eindeutig zeigen, das die anderen mich sehr gut kennen und wissen, was mir guttut und gefällt. Dass mir eine Obstschale aus Mangoholz bislang fehlte, wusste ich gar nicht, aber nun ist sie da, wunderschön anzuschauen und anzufassen und darf ab sofort zum Genuss beitragen. Blumen, ein besonderes Öl, eine Einladung zum Essen – perfekte Geschenke. Gemeinschaft genießen fiel mir nicht immer leicht. Das kann ich dann, wenn die Erwartungen an mich eindeutig und nicht ambivalent sind, wenn die Gemeinschaft Gutes ausstrahlt und der Umgang miteinander von Offenheit, Ehrlichkeit und Toleranz geprägt ist. Wenn jeder authentisch sein kann, sich nicht verbiegt und seine Persönlichkeit zeigt, was die Gruppe bereichert und lebendig hält.

Eine gute Gemeinschaft in diesem Sinne ist auch eine Gruppe, mit der ich mich gestern Abend traf, und die ich sehr genießen kann: Mein Chor, bei dem ich seit 8 Jahren mitsinge und mit dem ich schon viel auf und Ab erlebt habe. Wir trafen uns, um bei der Premiere des Films „Pitch Perfect 2“ im Publikum einen Flasmob zu veranstalten. Das Gefühl, die anderen Kinobesucher zu überraschen, etwas zu kreieren, was Du alleine nicht hinbekommen würdest, unbezahlbar! Worin liegt der Genuss genau? Mir bewusstmachen, dass dies eine grandiose Gemeinschaftsleistung war, dass es nur klappt, wenn wir gemeinsam ein Ziel verfolgen (das Publikum zu überraschen und zu unterhalten), wenn sich alle an die Vereinbarungen halten und wenn jeder sein bestes gibt. Kurz innehalten, das spüren und genießen. Und abspeichern, um es später wieder abrufen zu können. Das ist dann großes Kino!

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